Teil 4: Vertriebsautomatisierung gehört nicht in die IT-Abteilung.
In den letzten drei Teilen dieser Serie ging es um Probleme, Konzepte und Anwendungsfälle. In diesem Artikel geht es um eine grundsätzliche Frage: Wer im Unternehmen ist eigentlich dafür zuständig, Vertriebsprozesse zu automatisieren?
Die Antwort lautet in vielen Mittelständlern automatisch: die IT. Workflow-Plattformen werden als technische Werkzeuge eingestuft, die technisches Know-how erfordern, also wird das Thema delegiert. Diese Reflexreaktion ist nachvollziehbar, aber sie ist der häufigste Grund, warum Vertriebsautomatisierung nicht ankommt.
Warum die Delegation an die IT meistens scheitert.
Die IT hat in den meisten Unternehmen alle Hände voll zu tun. ERP-Migrationen, Sicherheitsthemen, Infrastruktur, Support für die anderen Abteilungen. Vertriebsworkflows landen in der Prioritätenliste irgendwo unter Punkt fünfundzwanzig.
Selbst wenn die IT die Zeit hätte, fehlt ihr meistens das fachliche Verständnis. Wie genau läuft die Nachbearbeitung einer Messe ab? Welche Felder müssen wann ergänzt werden? Wann sollte ein Lead an welchen Mitarbeiter geroutet werden? Diese Fragen kann nur der Vertrieb beantworten. Die IT kann höchstens umsetzen, was ihr vorgegeben wird.
Das Ergebnis ist eine Hin-und-Her-Kommunikation, bei der zwischen dem Vertrieb, der weiß was er braucht, und der IT, die weiß wie es technisch geht, dauerhaft Reibung entsteht. Anforderungen werden missverstanden, Iterationen ziehen sich, am Ende kommt etwas raus, das beide Seiten nicht ganz glücklich macht. Oder es kommt gar nichts raus, weil das Projekt zwischendurch verhungert.
Was sich ändern muss.
Vertriebsautomatisierung muss dort liegen, wo das Wissen sitzt: im Vertrieb selbst. Vertriebsverantwortliche müssen in der Lage sein, Workflows selbst zu bauen, zu testen und anzupassen. Ohne dass jedesmal ein IT-Ticket geschrieben werden muss, ohne dass eine externe Agentur beauftragt werden muss.
Damit das funktioniert, braucht es Plattformen, die für Vertriebsverantwortliche gebaut sind und nicht für Entwickler. Hier liegt der Knackpunkt. Die meisten am Markt verfügbaren Workflow-Plattformen sind genau das Gegenteil: technische Werkzeuge mit hoher Flexibilität, aber einer Bedienlogik, die ohne Entwickler-Hintergrund kaum zu durchdringen ist.
Vier Dimensionen, an denen sich der Unterschied zeigt.
Worin genau unterscheidet sich eine vertriebsspezifische Plattform von einer generischen Workflow-Plattform? Vier Dimensionen sind in der Praxis entscheidend.
1. Die Sprache, in der das Werkzeug spricht.
Generische Plattformen sprechen die Sprache der Entwickler. Da geht es um Webhooks, JSON-Payloads, Trigger-Endpunkte und Authentication-Flows. Wer das nicht versteht, steht ratlos vor der Oberfläche.
Vertriebsspezifische Plattformen sprechen die Sprache des Vertriebs. Da geht es um Leads, Kontakte, Anreicherung, Dublettenprüfung, Pipeline-Stages und Account-Owner. Der Vertriebsmitarbeiter erkennt sofort, worum es geht, und kann ohne Übersetzungsarbeit anfangen zu arbeiten.
2. Die Datenquellen, die von Haus aus mitgebracht werden.
Generische Plattformen sind in der Theorie an alles anbindbar. In der Praxis bedeutet das oft: Die Anbindung an ein CRM ist möglich, aber jemand muss sie konfigurieren. Die Anreicherung von Firmendaten ist möglich, aber jemand muss eine externe Datenquelle anbinden und bezahlen. Die Dublettenprüfung ist möglich, aber jemand muss die Logik selbst bauen.
Vertriebsspezifische Plattformen bringen das mit, was im Vertrieb dauernd gebraucht wird. CRM-Anbindungen für die gängigen Systeme. Firmendaten-Anreicherung als eingebauter Baustein. Dublettenprüfung als fertige Funktion. E-Mail-Validierung als Standard. Das senkt nicht nur die Einstiegshürde, sondern reduziert auch die laufenden Kosten, weil weniger zusätzliche Dienste eingekauft werden müssen.
DataAgents geht hier noch einen Schritt weiter. Unsere eigenen Vertriebsprodukte sind direkt als Datenquellen und Trigger eingebunden. Ein mit VisitReport erfasster Messekontakt startet einen Workflow, eine über BusinessCards gescannte Visitenkarte fließt direkt ein, Anreicherungen über LeadResearch sind ohne Umwege verfügbar. Diese Tiefe der Integration in ein durchgängiges Vertriebsökosystem ist bei rein generischen Plattformen nicht zu haben.
3. Die Templates, die als Ausgangspunkt zur Verfügung stehen.
Generische Plattformen liefern entweder gar keine Vorlagen oder Vorlagen, die so generisch sind, dass sie für einen konkreten Vertriebsprozess fast nichts beitragen. Der Nutzer steht vor einer leeren Oberfläche und muss bei null anfangen.
Vertriebsspezifische Plattformen liefern Workflows, die genau die typischen Probleme des Vertriebsalltags adressieren. Lead-Anreicherung nach Webformular, Messekontakt-Verarbeitung, Dublettenprüfung beim CRM-Import. Diese Vorlagen sind nicht nur eine Starthilfe, sondern auch eine Schule. Wer sich anschaut, wie ein gut gebauter Vertriebsworkflow aussieht, lernt, wie man weitere Workflows selbst aufsetzen kann.
4. Die Verantwortung, die im Haus bleibt.
Generische Plattformen erfordern in der Praxis fast immer technische Begleitung. Entweder durch die eigene IT, durch externe Berater oder durch eine spezialisierte Agentur. Das kostet Geld, schafft Abhängigkeiten und verlängert jede Anpassung.
Vertriebsspezifische Plattformen sind so gebaut, dass die Verantwortung im Vertrieb bleiben kann. Anpassungen werden selbst gemacht. Neue Workflows entstehen aus dem operativen Alltag heraus. Wenn sich Anforderungen ändern, wird der Workflow am Nachmittag angepasst und am nächsten Morgen läuft er anders. Diese Geschwindigkeit ist nicht nur effizienter, sie verändert auch, wie der Vertrieb mit seinen eigenen Prozessen umgeht.
Was das in der Praxis bedeutet.
Wer eine Workflow-Plattform für den Vertrieb auswählt, sollte sich nicht nur fragen, was technisch möglich ist. Fast jede Plattform am Markt kann fast alles. Die entscheidende Frage lautet: Wer wird am Ende vor dieser Oberfläche sitzen?
Wenn die Antwort lautet, dass die IT-Abteilung das schon übernehmen wird, ist eine generische Plattform vielleicht geeignet. Mit allen erwähnten Folgen: lange Iterationen, hohe Abhängigkeit, langsame Anpassungen.
Wenn die Antwort lautet, dass der Vertrieb seine Prozesse selbst in die Hand nehmen soll, dann braucht es eine Plattform, die genau dafür gebaut ist. Eine, die nicht erst gelernt, sondern sofort verstanden wird. Eine, die mitbringt, was im Vertrieb gebraucht wird. Eine, die fertige Vorlagen als Sprungbrett anbietet und die Tiefe für individuelle Anpassungen offen lässt.
Das ist die Plattform, mit der Vertriebsautomatisierung tatsächlich ankommt. Nicht als IT-Projekt, das irgendwann mal anrollt, sondern als Werkzeug, das ab dem ersten Tag arbeitet.
Im fünften und letzten Teil dieser Serie zeigen wir, wie das in der Praxis aussieht. Wir begleiten ein typisches Mittelstandsunternehmen durch den Aufbau eines konkreten Workflows und beschreiben Schritt für Schritt, was passiert, wer beteiligt ist und welches Ergebnis am Ende steht.
Nächster Teil: So sieht moderne Vertriebsautomatisierung in der Praxis aus.